„Periode ist politisch“ – Gedankenfluss statt Rezension

Buchcover von "Periode ist politisch" von Franka Frei mit einem rot gefärbten Overlay

Rezensionsexemplar – „Periode ist politisch“ von Franka Frey – Heyne Hardcore Verlag

Mein Gedankenfluss zu „Periode ist politisch“ 

Franka Freis Manifest zur Enttabuisierung der der Periode hat mich auf so vielen Ebenen sprachlos zurückgelassen, dass ich erst einmal eine Weile gebraucht habe, um das alles zu verarbeiten. Die Dinge, die mich unmittelbar betreffen, wie auch die, die zwar räumlich weiter weg, deswegen aber nicht weniger kritisch zu betrachten sind.

Aber von vorn: Vom Facbook-Post zum blutigen Feldzug

Was mit einer Abschlussarbeit und einem Facebook-Post begann, wurde innerhalb kürzester Zeit zu einem Feldzug für mehr Sichtbarkeit. In ihrem Manifest „Periode ist politisch“ bringt Franka Frei  unverblümt Fakten wie Meinungen auf den Tisch. Skizziert auf einprägsame Art und Weise wie Frauen seit Anbeginn der Zeit für ihre Periode beschämt, geringschätzt und ausgegrenzt wurden und immer noch werden. Absurde und gleichermaßen demütigende Reinigungsrituale, völlig irre Rückschlüsse einer biologischen Besonderheit, die uns die Natur aus gutem Grund mitgegeben hat und ohne die es uns alle nicht gäbe. Auch und vor allem nicht den Teil der Menschheit, der nie selbst menstruiert hat. 

Das Tabu, das um das Thema Menstruation über Jahrhunderte gesponnen wurde, hält sich bis heute in alle Ecken der Welt. Auch im scheinbar aufgeklärten Deutschland wird die Periode totgeschwiegen, umschrieben und den Frauen völlig an den Haaren herbeigezogene Eigenschaften während dieser Tage zu geschrieben.

Who cares? Niemand. Vor allem nicht die cis-Männer

Zahncreme ohne Angabe von Inhaltsstoffen? Undenkbar. Tierfutter ohne Zutatenliste? Nie im Leben, jeder Tierhalter will dich wissen, was Hund und Katze da eigentlich zu sich nehmen. Ein Gesetz zur Verpflichtung von Inhaltsangaben in Periodenprodukten sucht man dagegen vergeblich.

Nein, kann gar nicht sein!, dachte ich, legte das Buch beiseite und sprang ins Badezimmer. Kann sehr wohl sein. Nix, nada. Weder auf der Tampon-Verpackung, noch auf der Folie mit den Bindenpäckchen. Was menstruierende Personen sich also regelmäßig an ihren Körper legen oder gar in ihn hineinschieben und damit direkt auch ihre Gesundheit betrifft, ist nicht wichtig genug, um die Hersteller besagter Produkte dazu zu verpflichten Inhaltsstoffe anzugeben. Wer mutig ist, kann den Gedanken weiterspinnen:

Wenn es keine Pflicht zur Angabe von Inhaltsstoffen gibt, gibt es dann überhaupt Vorschriften zur Einhaltung bestimmter Vorgaben? Ich weiß es nicht. 

Es wird Zeit laut zu hinterfragen

Ich habe mich beim Lesen oft dabei ertappt, dass ich mir Unwissenheit eingestehen musste. Oder vielleicht auch schlichtweg Ignoranz? Ich habe mich nie gefragt, mit wie viel Mehrwertsteuer meine Periodenprodukte besetzt sind und dadurch natürlich auch nicht, ob das fair ist. Natürlich ist mir die gigantische Menge an Plastik aufgefallen, die man öffnen und entsorgen muss, bis man endlich mal zum Kern des Produkts vordringt. Dass eine Binde rund 300 Jahre braucht, bis sie sich zersetzt hat, dass es am anderen Ende der Welt Müllberge mit benutzten Periodenprodukten gibt, neben den Menschen wohnen, ist mir auch nicht eingefallen.

Warum? Nicht weil es mir egal ist. Sondern weil ich in der Hektik des Alltags zwischen „ich muss mal schnell den Tampon wechseln, bevor jemand mit einem lauten Mama ins Bad stürmt“ und „Mama, kannst du mal hier und da und dort“, schlichtweg nicht weiter gedacht habe.

Aber was nun? 

Die Mehrwertsteuer auf Periodenprodukte wurde gesenkt. Ein erster Schritt, der lange genug gedauert hat.

Was fehlt? Aufklärung, Offenheit, Enttabuisierung. Dafür macht sich Franka Frei stark. Ich habe während der Lektüre beobachtet wie ich mit meiner Periode umgehe. Offen gegenüber meinem Mann und meinen Kindern. Schon immer. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft er mir schon Tampons gekauft oder mich – im Supermarkt vor dem entsprechenden Regal stehend – angerufen hat, weil meine Größe oder Marke vergriffen war und wissen wollte, welche Tampons er stattdessen mitbringen soll.

Aber in der Öffentlichkeit? Gegenüber Frauen habe ich da kein Problem. Mit meinem Chef oder männlichen Arbeitskollegen muss ich jetzt nicht unbedingt darüber sprechen, ob ich gerade blute. Nicht, weil ich mich schäme, sondern weil es sie schlicht und ergreifend nichts angeht, in welchem Stadium meines Zyklus ich mich gerade befinde. Oder vielleicht auch, weil ich nicht danach beurteilt werden will.

Ich kann jeder Person nur ans Herz legen „Periode ist politisch“ von Franka Frei zu lesen. Sich darüber Gedanken zu machen, welche weitreichenden Folgen es für uns menstruierende Personen hat, wenn etwas so natürliches wie eine Periode zu einem Tabu gemacht wird. Zu etwas, wofür wir uns schämen und möglichst nicht sprechen sollen.

Welche Auswirkungen dieses Tabu in Ländern hat, in denen Periodenprodukte so viel kosten wie ein Tagelohn und deshalb zu alten Stofflappen greifen müssen. Wo menstruierende Personen in extra Hütten oder auf dem Balkon schlafen müssen. Wo es keine Mülleimer in Schultoiletten gibt, damit niemand sehen kann, dass ein benutztes Periodenprodukt entsorgt wird.

Habt Ihr „Periode ist politisch“ gelesen? Lasst mir Eure Meinungen oder Erfahrungen gerne in den Kommentaren da.

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