“Kissing Chloe Brown” von Talia Hibbert

Rezensionsexemplar “Kissing Chloe Brown” – Werbung unbezahlt – netgalley – forever Ullstein Verlag

Der Einstieg  in “Kissing Chloe Brown” ist fesselnd. Autorin Talia Hibbert nimmt mich ohne jede Vorwarnung direkt mit in Chloes Leben. Und zwar direkt in eine außergewöhnliche Situation, mit viel Herzrasen, Adrenalinausschüttungen und Fragen. Fragen sind das vorherrschende Element in „Kissing Chloe Brown“. Denn Chloe hat jede Menge Fragen. Fragen, die gerne um die Ecke biegen und dort auf weitere Fragen-Kollegen und -Kolleginnen treffen. Aber auch ich habe Fragen. Was fehlt Chloe? Warum ist sie eingeschränkt. Warum denkt sie wie sie denkt. Handelt auf diese besondere Weise. Und warum hat sie so viele Fragen?

Ihre Familie bildet einen herrlich bunten – und vor allem gegensätzlichen Blumenstrauß – zu Chloe und ihrem Charakter. Sie sind alle direkt. Und halten die Liebe zueinander nicht zurück. Aber sie sind offener, spontaner, fröhlicher und lauter. In diesem fröhlichen Miteinander, fällt vor allem er ins Auge. Redford Morgan. Er ist das Pendant zu Chloe. Mürrisch, skeptisch, still.

Auf den ersten Blick haben die beiden nichts viel gemeinsam. Und von Sympathie füreinander wollen wir gar nicht erst anfangen. Aber wie das so ist im Leben, kommt immer irgendwas dazwischen, dass die Dinge in eine andere – ungeplante – Richtung schubst. In diesem Fall ist es Klecks, der bzw. die auf einem Baum sitzt und sich nicht mehr herunter traut.

“Kissing Chloe Brown” und Redford Morgan

Chloe Brown ist an sich ein sympathischer Charakter. Dass sie mürrisch, direkt und mitunter unhöflich ist, stört mich nicht. Wir realen Menschen sind ja auch nicht alle gleich, nicht immer gut drauf, fröhlich oder gar höflich im Umgang miteinander. Ein großer Teil ihrer Verhaltensweisen ist ja auch ihrer Erkrankung geschuldet. Einer Erkrankung, die sie nicht von Geburt an hatte, sondern die sie erst später dazu zwang ihr Leben komplett umzukrempeln. 

Redford Morgan. Da denke ich immer direkt an Robert Redford und sehe Chloe mit einem alten ergrauten Mann. Sorry, der Name ist ein wenig unglücklich gewählt. Also nennen wir ihn Red und belassen es dabei. Auch Red hat nach einem einschneidenden Erlebnis an ein paar Sachen zu knabbern. Genau wie Chloe fällt es ihm schwer sein Leben anzugehen, ihm eine neue Richtung zu geben und wieder die Kontrolle darüber zu erlangen.

Deals und unpassendes Wording in “Kissing Chloe Brown”

Chloe Brown ist anders. Nicht mehr so wie früher. Nicht so lebenslustig, spontan und leichtlebig. Doch das soll sich ändern. Mit Red Morgans Hilfe. Aus einem anfänglich eher sachlichen Abkommen mit einem Win-Win für alle Beteiligten wird allerdings schnell mehr. Vor allem mehr an Gefühlen. Gefühlen, die alle beide zerdenken, statt offen auszusprechen. Doch mit jedem Tag, den sie miteinander verbringen, mit jedem erlebten Moment, können sie sich besser vorstellen ihre Enttäuschungen hinter sich zu lassen und sich vielleicht doch wieder auf jemand anderen einzulassen.

Was mich gegen Ende des Buches zunehmend aufgeregt hat, war das Wording der äußeren Geschlechtsorgane. Ich kenne das englische Original nicht, und weiß daher auch nicht, ob das in diesem Fall an der künstlerischen Freiheit der Übersetzerin lag, aber während für Reds Ausstattung eher anatomisch korrekte oder umschreibende Formulierungen gewählt wurden, ist die Wortwahl bei Chloe eher vulgär. Das würde mich nicht weiter stören, wenn es zu den Personen und passt – und eben auch gleichberechtigt angewandt wird. Ein raueres Wording, wenn es zur Sache geht, ist absolut in Ordnung. Was mich vor allem gestört hat, war die Einseitigkeit. Aber auch, die Häufigkeit, mit der diese ich mit einmal Mal innerhalb weniger Seiten konfrontiert wurde.

Nein, ich bin nicht prüde. Und ich habe auch kein Problem mit deutlichem Wording, Dirty Talk oder ähnlichem. Aber es muss passen. Und hier, hat es für mich ganz und gar nicht gepasst.

Mitreissender Start, flaches Ende

Alles in allem gefällt mir „Kissing Chloe Brown“ von Talia Hibbert recht gut. Allerdings startet das Buch wesentlich besser als es weiter geht. Chloe Brown zu erleben, sie in ihrem Alltag und im Umgang mit ihrer Umwelt zu beobachten, ihren Gedankengängen zu folgen, ist aufregend und neu. Sobald die Geschichte sich weg von Chloe und hin zu einem möglichen Chloe und Red entwickelt, verliert sie für mich an Kraft.

 

„Kissing Chloe Brown“ – Band 1 Brown Sisters | Talia Hibbert
forever Ullstein Verlag |  ISBN: 978-354806284-6
12,99€ Taschenbuch; 4,99€ eBook

 

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