“Midnight Blue” – Rockstar-Babysitter-Love

Buch mit Gitarre im Hintergrund

Nach peinlichen Auftritten, ausschweifenden Eskapaden und einem Aufenthalt in einer Entzugsklinik, wird dem 27jährigen Alexander „Alex“ Winslow – seines Zeichens selbstverliebter Rockstar – für die bevorstehende Tour eine „Babysitterin“ aufs Auge gedrückt. Die 21jährige Indigo „Indie“ Bellamy soll ihm während dieser drei Monate nicht von der Seite weichen und darauf achten, dass Alex nicht in die Nähe von Alkohol oder Drogen kommt.

Natürlich sind beide Parteien anfangs alles andere als begeistert voneinander. Erst nach und nach, vor allem durch ihre mitternächtlichen Treffen in diversen Hotelfluren, bei denen sie über Gott und die Welt reden, öffnen sich die beiden einander und lernen sich besser kennen und schätzen.

Aus Akzeptanz wird Freundschaft, aus Freundschaft Liebe. Und zumindest einer von beiden ist bereit sich seinen Gefühlen zu stellen. Doch ehe Indie den Mut aufbringen kann, kommt eine verheerende Wahrheit ans Licht, die mit einem Schlag alles zwischen ihnen beendet.

Bekannte Story, neu aufgelegt – mit dem L.J. Shen-Touch

Ja und nein. Diese Konstellation gibt es zuhauf. Was bei L.J. Shen anders ist, sind die Charaktere. Allen voran der Hauptprotagonist. Dieser scheint in vielen Werken Shens vom absoluten Arsch zum einsichtigen Kerl zu mutieren. So war es beispielsweise in „Vicious Love“ und so ist es auch hier.

Aber auch sonst überlässt die Autorin nichts dem Zufall. Ein Beispiel? Die Namen der beiden Hauptprotas Indie und Alex.

Indigo bedeutet blau. Blau wie das Wasser. Wasser ist leben. Und genau das ist Indie. Sie verkörpert von der Haaren bis in die Zehenspitzen die pure Lebensfreude. Denn das Leben kann viel zu schnell vorbei sein.

Bellamy bedeutet soviel wie „schöner Begleiter / Freund“ – und auch das ist sie. Die zauberhafte Indie wird Alex als ungewollte Begleiterin an die Seite gestellt, und wird nach und nach zu einer Freundin.

Alex / Alexander – der die fremden Männer fernhält. Nachdem er einmal beschlossen hat, dass Indie allein ihm gehört, setzt er alles daran sie von anderen Kerlen fernzuhalten. Allen voran seinem Drummer Cole.

Winslow. Eine Bedeutung habe ich hier nicht gefunden. Dennoch ergibt sie sich, wenn man das Wort auseinander nimmt: Win (gewinnen) slow (langsam). Und genau das passiert. Als er endlich kapiert, was wirklich wichtig ist, sich öffnet und neue Wege einschlägt, gewinnt Alex endlich langsam alles zurück, was er verloren hat. Seine Muse, seine Musik, seinen Erfolg – und vielleicht auch seine Liebe.

Das Highlight kommt zum Schluss 

Immer wieder tauchen Sequenzen auf, die den Schreib- und Lesefluss brechen.

„Hätte ich gewusst, dass dies das letzte Mal sein würde, dass ich Alex so friedvoll, genügsam und mit sich im Reinen erlebte, hätte ich noch ein paar Minuten mehr an meinem Kaffee genippt.(…) Aber ich hatte es nicht gewusst, und so waren wir zum Hotel zurückgekehrt (…).”

S.355 – Midnight Blue von L.J. Shen

Der Roman wird nicht einfach aus Indies und Alex` Sicht in der Vergangenheit erzählt, wie man das in der Regel kennt. Erst im Epilog wird deutlich, dass Alex und Indie rückblickend erzählen, bis sie im Epilog in der Gegenwart landen. Dadurch liest sich „Midnight Blue“ als würden die beiden neben mir auf dem Sofa sitzen und ihre Geschichte erzählen, gewürzt mit Anmerkungen und Rückblicken.

 

So sehr ich die Detailverliebtheit, den durchdachten Plot und die Figuren zu schätzen weiß, hat mich „Midnight Blue“ dennoch nicht überzeugt. Die Story gab es einfach schon zu oft, als das man da wirklich noch mal etwas absolut Neues und Spannendes herausholen kann.

 

 

Midnight Blue | L.J. Shen

LYX Verlag | 978-3-7363-0992-0 | 12,90€ Taschenbuch

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